Donnerstag, 16. Juli 2020
Notruf: 112

Digitalfunk - Ein Zwischenbericht der Projektleitung

Die meisten Digitalfunkmasten sind bereits aufgebaut und werden aktuell mit der entsprechenden Technik ausgestattet. Bis zum geplanten Probebetrieb im Juni 2014 werden alle Baumaßnahmen vollständig abgeschlossen sein. Alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) funken ab der flächendeckenden Einführung des Digitalfunks gemeinsam in einem bundesweit einheitlichem "digitalen Sprech- und Datenfunksystem". Die aktuell bestehenden Analogfunknetzte werden dadurch nach und nach abgelöst.

Um ein einheitliches Funksystem aufbauen zu können, verständigten sich Bund und Länder auf ein Digitalfunknetz im TETRA-Standard (TErrestrial Trunked RAdio). Eine Expertengruppe für die "Anforderung an das Netz" (GAN) entwickelte daraufhin einige grundlegende Leistungsmerkmale, welche das neue Netz mindestens erfüllen muss. Vom Digitalfunk wird sich unter anderem eine bessere Empfangsqualität ohne störende Nebengeräusche, sowie eine verlässliche Verfügbarkeit versprochen. Auch eine neue Form der Kommunikation und Zusammenarbeit wird durch den Digitalfunk ermöglicht und die Kommunikationssicherheit ist um ein Vielfaches erhöht. Ein Abhören des Digitalfunks wird nicht mehr möglich sein. Eine weitere sicherheitsrelevante Neuerung im Digitalfunk ist die Notruftaste, die es an allen Funkgeräten geben wird. Durch das Drücken der Notruftaste wird sofort eine Sprechverbindung mit Vorrang an alle Teilnehmer bzw. an die Leitstelle aufgebaut, was in einer Gefahrensituation lebensrettend sein kann.

Auch der Gesundheits- und Umweltaspekt wird mit der Einführung des Digitalfunks deutlich verbessert. Durch eine "effiziente Steuerungseinrichtung zur automatischen Leistungsregelung" und der Verwendung einer niedrigen Sendeleistung werden die elektromagnetischen Felder deutlich verringert. Forschungen für die Gesundheit durch die Bundesregierung haben ergeben, dass durch die aktuellen Grenzwerte im Digitalfunk keinerlei negative Auswirkungen auf die Gesundheit festzustellen sind.

Aktuell befindet sich der Landkreis Aichach-Friedberg in der sogenannten Migrationsphase. Hierzu wurde zu Jahresbeginn die "Projektgruppe Ditigtalfunk Schwaben-Nord" ins Leben gerufen. Die "Projektgruppe Digitalfunk Schwaben-Nord" setzt sich aus Mitgliedern der verschiedenen - nichtpolizeilichen - Digitalfunkorganisationen zusammen, welche in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen (AG) die Migration im Netzabschnitt vorbereiten. Neben den Vertretern der Feuerwehren aus den Landkreisen Aichach-Friedberg, Augsburg, Donau-Ries und Dillingen, sowie der Stadt Augsburg, beteiligen sich unter anderem auch Beauftragte der Rettungsdienste, des Technischen Hilfswerks und der Wasserrettung.

Der Kreisfeuerwehrverband Aichach-Friedberg ist in jeder Arbeitsgruppe mit mindestens einer Person vertreten. Um die aufwändige Umsetzung des Digitalfunks besser zu verstehen, werden die einzelnen Arbeitsgruppen hier genauer vorgestellt.

AG1 "Taktik / Objektfunk"

Die AG beschäftigt sich mit dem sogenannten "Fleetmapping". Darunter versteht man die im Digitalfunknetz für die Nutzer zur Verfügung stehenden Sprechgruppen. Die AG muss hier den Umfang der unterschiedlichen Gruppen und somit auch die Nutzung der Funkgeräte festlegen. Die bisherigen Analogfunkkanäle im 2m- und 4m- Band werden durch die Sprechgruppen im DMO- (Direktbetrieb) bzw. TMO- (Netzbetrieb) Modus ersetzt. Die Zuweisung und Nutzung der verschiedenen zur Verfügung stehenden DMO- und TMO- Gruppen werden im "Fleetmapping" festgelegt. Die Bestrebungen der Planung gehen hin zu einer möglichst einfachen Nutzung bei gleichzeitig hoher Flexibilität. Zu den ursprünglich vorgesehenen sechs gemeinsamen DMO-Gruppen für den gesamten ILS-Bereich werden voraussichtlich weitere hinzukommen. Allerdings zeichnet sich ab, dass der Bedarf an TMO- Gruppen höher sein wird als das derzeitige Angebot. Auch aus den Erfahrungen der letzten Unwetter wurde in der AG daher die Forderung nach einer deutlichen Erhöhung der TMO- Gruppen gestellt, welche die Basis für eine strukturierte Unterteilung und Führung auch bei großen Lagen sind. Im Thema Objektfunk ist die Kommunikation innerhalb großer Gebäude zu bearbeiten. Je nach Gebäudebeschaffenheit und Entfernung zur Basisstation kann die Versorgung von außen nur Teilweise gewährleistet werden. Deshalb ist es notwendig, in bestimmten Gebäuden eine eigene Objektfunkanlage zu installieren. Im Landkreis Aichach-Friedberg gibt es einige Gebäude, die derzeit auf Grund ihrer Größe auf die Notwendigkeit bzw. den Wunsch nach einer Gebäudefunkanlage (GFA) überprüft werden.

AG2 "TTB / Betrieb"

Ein ganz anderes Themenfeld beschäftigt die Vertreter der AG2 "TTB / Betrieb". Die TTB, die sogenannte "technisch-taktische Betriebsstelle" wird ab dem kommenden Jahr rund um die Uhr der Ansprechpartner für die Nutzer des Digitalfunks im Netzabschnitt und gleichzeitig Bindeglied zur Autorisierten Stelle (AS) Bayern sein. Die Ansiedlung der Aufgaben der TTB, die rund um die Uhr ausfallen, ist zu einem Großteil bei der ILS festgelegt, insbesondere der betriebliche Nutzersupport im Bereich der Gruppen- und Teilnehmerverwaltung (z.B. Sperrung von Geräten) sowie der Koordination und Freigabe von DMO- Frequenzen. Allerdings umfasst die TTB auch einen technischen Nutzersupport zur Verwaltung, zur Reperatur und zum Softwareupdate der Endgeräte. So erfolgen beispielsweise durch die TTB auch die Bestellung der BOS-Sicherheitskarten und die erstmalige Programmierung jedes Endgerätes. Die Ansiedlung des technischen Nutzersupports kann zentral bei einer Organisation oder dezentral in den Kreisverwaltungsbehörden erfolgen. Da die Entscheidung hierüber mit entsprechenden Kosten verbunden ist, wurde noch keine Festlegung getroffen. Mit einem Ergebnis wird im Winter dieses Jahres gerechnet. In den Themenbereichen "Betrieb" der AG2 fällt hingegen die Unterstützung der Feuerwehren bei der Migration der ortsfesten Landfunkstellen zum Digitalfunk. Auf Grund der Vorgabe der BDBOS (Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) ist für Festfunkstellen (FRT-Anlagen) ein gesondertes Anmeldeverfahren durchzuführen, bei welchem die Antennenanlage in enger Abstimmung mit der AS zu planen ist, da eine unkontrollierte Anbringung von ortsfesten Antennen eine erhebliche Störung des Netzes verursachen kann. Daher wurden in den vergangenen Monaten in Abstimmung mit den Kommandanten von Feuerwehren mit genehmigten Festfunkstellen die notwendigen Daten der Standorte erfasst. Die Planungen sind mittlerweile abgeschlossen, so dass das etwa sechs Monate dauernde Anmeldeverfahren gestartet werden kann.

Eine weitere freudige Nachricht erreichte im Juli diesen Jahres die Vertreter der regionalen Projektgruppe: Die Autorisierte Stelle (AS) Bayern wird auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Königsbrunn angesiedelt. "Die AS bildet das operativ-taktische Kompetenzzentrum für den BOS-Digitalfunk aller Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben in Bayern und ist für die anforderungsgerechte Bereitstellung der Digitalfunkdienste aller Nutzer der BOS in Bayern zuständig" (siehe auch den BOS-Digitalfunknewsletter Bayern Nr.30 des Bayerischen Staatsministeriums). Die AS überwacht rund um die Uhr in einer "Netzleitstelle" das Digitalfunknetz, nimmt Anfragen und Störungsmeldungen der TTBs entgegen, leistet Unterstützung beim Betrieb, betreut die rund 1.000 Standorte der Basisstationen und koordniniert im Bedarfsfall technische Mittel zur Erweiterung der Netzkapazität. Derzeit befindet sich die AS noch im Aufbau und ist örtlich beim LKA München zu finden. Rund 100 Mitarbeiter werden später dann in dem noch zu errichtenden Neubau in Königsbrunn tätig sein.

AG3 "Endgerätebeschaffung / -einbau"

Nicht nur um die FRTs, sondern um die Endgeräte allgemein, geht es in der Arbeit der AG3 "Endgerätebeschaffung / -einbau". Den ersten konkreten Kontakt der Arbeit dieser AG mit der breiten Basis in den Feuerwehren im Landkreis dürfte bei der Bedarfsabfrage Mitte des Jahres erfolgt sein. Da landkreisübergreifend beschlossen werden soll, eine gemeinsame Sammelausschreibung für die Beschaffung der Digitalfunkgeräte für die Feuerwehren und den Katastrophengebiet im gesamten ILS-Bereich durchzuführen, wurden die Feuerwehren aufgefordert, zur Abschätzung des Beschaffungsumfangs ihren Bedarf an Endgeräten sowie der erforderlichen Zusatzausstattung anzugeben. Im Ergebnis werden zur Erstausstattung im Netzbetrieb etwa 5.000 Endgeräte benötigt. Selbstredend verspricht man sich von einer derartigen Masse einen deutlich günstigeren Einkaufspreis als bei einer Einzelbeschaffung durch die Kommunen. Auch für Schulung und Softwareupdates ist es wichtig, einen gemeinsamen Hersteller zu finden. Eine aktuelle Bedarsfsabfrage wird über die Kommunen verifiziert und findet dann direkt Eingang in die Ausschreibungsunterlagen, die bis Ende Herbst zusammengestellt sein werden. Hierfür liegt bereits eine sehr gute Basis vor, die in einem anderen Netzabschnitt schon erfolgreich genutzt wurde.

AG4 "ILS"

In dieser AG wird die interne Organisation der ILS für die Umsetzung des Digitalfunks geregelt. Als Bindeglied zwischen den Freiwilligen Feuerwehren und der ILS ist KBI Franz Hörmann in dieser AG tätig.

AG5 "Schulung"

In der AG5 "Schulung" basiert die Grundlagenschulung für die Endanwender auf zwei Säulen: Das Aneignen des Basiswissens in Form der elektronischen Lernanwendung (ELA) und der anschließenden Teilnahme an einer Präsenzschulung. Die entsprechenden Zugangsdaten fpr diese ELA-Schulung werden von den KBM an alle Kommandanten verteilt und können ab sofort auch von allen Feuerwehrdienstleistenden (FwDl) genutzt werden. Die Schulung der Endanwender soll durch Multiplikatoren erfolgen, für die der Lehrgang "Fachwissen Digitalfunk" an den Feuerwehrschulen angeboten wird. Dadurch soll eine gemeinsame Basis zur Durchführung der Schulungsmaßnahmen im Digitalfunk für alle BOS in Bayern erreicht werden. Die Schulung der am Probebetrieb teilnehmenden Feuerwehren soll vor Beginn des ePB (erweiterten Probebetriebs, beginn im Juni 2014) abgeschlossen sein. Nach bisherigen Erfahrungen der Projektgruppe DigiNet haben sich Endanwenderschulungen mit ca. 15 bis 20 Personen bewährt. Die Schulungsdauer wird etwa einen halben Tag in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist, dass digitale Endgeräte oder Schulungsfunkgeräte zur Verfügung stehen. Vorrangige Aufgabe der AG5 ist die Organisation der Multiplikatorenschulung. Hierzu wurden in den vergangenen Monaten interessierte Mitglieder aus den Feuerwehren des Landkreises Aichach-Friedberg rekrutiert. Zusammen mit Kameraden der Kreisbrandinspektion werden mehrere Multiplikatoren noch in diesem Jahr den entsprechenden Lehrgang besuchen, weitere folgen im nächsten Jahr. Die Endanwenderschulung der BOS-Organisationen erfogt vor Ort ab Frühjahr 2014 in zwei Stufen für die Führungsdienstgrade und die FwDl.

AG6 "Test"

Die AG6 "Test" erstellt ein Konzept, in der die technischen und taktischen Belange in verschiedenen Testszenarien berücksichtigt werden können und wertet diese aus. Vorschläge zur Verbesserung der Ergebnisse aufgrund der Auswertungen werden erarbeitet. Tests von Endgeräten und Reichweiten gehören ebenfalls mit zur Aufgabe. Die praktische Umsetzung des Einsatzkonzeptes erfolgt in enger Absprache mit der Polizei und der Projektgruppe DigiNet.

Bevor jedoch die Testphase und der erweiterte Probebetrieb starten können, bedarf es selbstverständlich eines fertiggestellten Netzes. Die für den Landkreis Aichach-Friedberg relevanten Sendeanlagen werden bis zum Start des erweiterten Probebetriebs vollständig errichtet und betriebsbereit sein. Von den insgesamt 50 geplanten Basisstationen im Netzbereich wurde bereits an 48 Standorten mit dem Bau begonnen. Aktuell sind bereits 36 Basisstationen vollständig ausgerüstet und bei weiteren 8 Basisstationen wird derzeit die Systemtechnik installiert. Nach Informationen der DigiNet wird auch die letzte Basisstation im Landkreissüden vermutlich rechtzeitig bis zum Probebetrieb fertig ausgestattet sein. nachdem bereits sein Mitte des Jahres alle Standorte der Basisstationen im Netzabschnitt feststehen, konnte mittels Planungstool die zu erwartende Netzqualität berechnet werden. Demnach ist im Landkreis Aichach-Friebderg eine gute Abdeckung in den Kategorien 3 - 4 zu erwarten, welche den ursprünglichen Planungsstandard für Bayern "Gan+X" deutlich überschreitet. In Netzabschnitten, die sich bereits im Probebetrieb befinden, hat sich darüber hinaus gezeigt, dass die tatsächliche Abdeckung regelmäßig besser war als die berechnete.

AG7 "Kommunikation"

In dieser AG wird die Veröffentlichung der einzelnen Arbeitsgruppenberichte sowie von allgemeinen Informationen rund um das Thema Digitalfunk koordiniert. In nicht einmal einem Jahr ist im Landkreis Aichach-Friedberg der Start des erweiterten Probebetriebs vorgesehen und bis dahin stehen sowohl für die regionale Projektgruppe als auch für jede einzelne Feuerwehr im Themenfeld Digitalfunk noch eine große Zahl an Aufgaben an, die es zu meistern gilt. Die "Landkreisgruppe Digitalfunk" wird die Kommandanten in den Feuerwehren auch in den kommenden Monaten über die Entwicklung und weiteren Schritte der Migration auf dem aktuellen Stand halten.

Quellen:
Stefan Klein, Kreisfeuerwehrverband Landkreis Augsburg e.V., Nummer 19; Jahresausgabe 2013
BDBOS; Umwelt und Gesundheit im Fokus
Bayerisches Staatsministerium des Inneren; BOS-Digitalfunk Bayern Newsletter Nr. 30

 

 


Schwäbischer Feuerwehrtag